Dorfleben in Zurndorf

In Zurndorf gibt es immer etwas zu feiern. Der Kirtag in Zurndorf darf dabei genauso wenig fehlen, wie Fasching, Erntedankfest, Konfirmation, Kommunion, Firmung und andere Feste.

1842 - 50-jähriges Amtsjubiläum Andreas Grailich

Vor 184 Jahren, am Christi-Himmelfahrtstag 1842 (damals am 5. Mai), gab es in Zurndorf eine besondere Feier: Andreas Grailich feierte sein 50-jähriges Amtsjubiläum als evangelischer Pfarrer von Zurndorf und Nickelsdorf!

Zu diesem Anlass wurde der "Jubelgreis" (Grailich war 74 Jahre - heute hätte man vermutlich eine Klage am Hals, würde man einen Jubilar im Festprogramm so bezeichnen) in einem feierlichen Gottesdienst geehrt. Der genaue Programmablauf ist in einem gedruckten Heftchen im Archiv der Evangelischen Kirche Ungarns in Budapest erhalten geblieben. Nachdem der Jubilar "aus seiner Behausung von seinen Amtsgenossen im Gefolge seiner Verehrer" abgeholt wurde, waren die weiteren Schritte samt den dazu gesungenen Liedern genau vorgegeben.

Grailich sollte noch ein weiteres Jahr im Amt bleiben, am 27. Juni 1843 ist er in Zurndorf gestorben. Er hat viele schriftliche Zeugnisse, die für die burgenländische Landeskunde von unschätzbarem Wert sind, hinterlassen. So beschreibt er die Leute von Zurndorf und Umgebung 1820 folgendermaßen: „Unsere Leute sind ein kernfester Menschenschlag, und von guter Leibesgestalt, ein gelehriges sehr fleißiges, betriebsames, und gutmüthiges Völklein, das in der Cultur des Geistes nicht zurückgeblieben ist, an haushälterischer Thätigkeit, Vaterlandsliebe, inniger Anhänglichkeit an seinen heimatlichen Boden, … steht es keiner Klasse von Bewohnern Ungarns nach. … Ihre Sprache verbessert sich von Jahrzehend zu Jahrzehend, der milde Duldungsgeist faßt mit der Humanität, immer tiefere Wurzeln. Auch nimmt man jetzt mehr als sonst Reinlichkeit in den frohmüthigen Häusern, Nettigkeit im Anzug und eine gewisse Wohlhabenheit wahr. Die Hochzeitsfeste der Bauern werden mit großem Pomp und Aufwand gefeiert.“

„Wer das Thun und Treiben des Wieselburger Landmannes … aufmerksam betrachtet, dem kann es nicht entgehen, daß er dem Ackerbau mit ganzer Seele ergeben ist. Ihm ist die Geschäftigkeit angeboren; der Wirthschaftsgeist beseelt ihn ganz. Die Güte seines Bodens, .. die schöne Gelegenheit, die ihm Wien und Oestreich zum leichten und gewissen Absatz darbietet, die frühe Gewöhnung von Jugend auf, und ein sichtbares Ehrgefühl, welches der Anblick eines wohlbestellten und gesegneten Fruchtfeldes ihm einflößt … sind … unwiderstehliche Triebe und Wecker zur rastlosen Thätigkeit. …Um 2-3 Uhr des Morgens ist im Sommer alles auf, und eilt zu seiner Arbeit und begiebt sich erst 2 Stunden nach Sonnenuntergang auf sein Lager.“

Am berührendsten aber - weil es doch auch ein bisschen einen Einblick in Grailichs Innerstes erlaubt - finde ich den Nachruf, den er im Sterbebuch für seine 1799 verstorbene erste Ehefrau verfasst hat. Friederike Eleonora Grailich geb. Busch, eine Pfarrerstochter aus Sachsen-Altenburg, war mit nur 26 Jahren verstorben. Grailich schreibt: "Zärtlicher ist es nicht möglich zu lieben als du mich liebtest. … Dein Herze hing ganz an meinem Herzen. Es schlug nur für mich. … Dein holdes Augenlicht, dein süßer Mund verscheuchte jede Sorge, jeden Gram von meiner Stirn. Und dieser schöne Mund hat sich nun auf immer für mich geschloßen."

Quelle: Roman Kriszt

Quelle: Archiv der Evangelischen Kirche Ungarns in Budapest

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