Dorfleben in Zurndorf

In Zurndorf gibt es immer etwas zu feiern. Der Kirtag in Zurndorf darf dabei genauso wenig fehlen, wie Fasching, Erntedankfest, Konfirmation, Kommunion, Firmung und andere Feste.

Die Zurndorfer Gschirrhauer

Der bestimmte Mann, sein Name soll nicht ausgesprochen werden, soll um 1900 in der Götzmühle tätig gewesen sein.

Viele Bauern aus der ganzen Umgebung, aus Mönchhof, Nickelsdorf, Gattendorf und Deutsch-Jahrndorf brachten damals Getreide in die Zurndorfer Mühle. Es war ein guter Betrieb unter der Leitung von Ferdinand Götz. Er beschäftigte ungefähr zehn Leute und das Geschäft lief glänzend. Auf diesen Erfolg war besonders der Gschirrhauer stolz. Der Gschirrhauer - das ist der älteste Müllerknecht, der für die Wartung der Werkzeuge, damals vor allem auch Pferdegeschirr, und der Mühle selbst verantwortlich war.

Der Gschirrhauer war ein peinlich sauberer Mensch. Kein Körnchen Staub konnte vor ihm in der Mühle sicher sein. Sein Fleiß war derart groß, dass er den anderen Knechten richtig auf die Nerven ging. Ständig musste er alles kontrollieren. Jede Arbeit, jedes Werkzeug musste immer vollständig und in reinstem Zustand sein. Dass es in einer Mühle viel Staub gibt, das weiß jeder. Der Gschirrhauer aber glaubte, dass er es schaffen könnte, endlich Sauberkeit und Ordnung durchzusetzen. Jede Arbeit der anderen Knechte kritisierte er, immer fand er einen Grund, um etwas aussetzen zu können. Er war überzeugt, dass nur er die Mühle zur besten Mühle machen könne.

Nach vielen Tagen und Monaten beschloss man, dem Gschirrhauer einen Streich zu spielen. Sechs Leute aus dem Dorf, die in der Mühle arbeiteten, wollten dem peinlich sauberen Mann ein Schnippchen schlagen. Sie trafen sich mitten in der Nacht vor der Mühle. Alle hatten weiße Leintücher mitgebracht und flickten sie rasch zusammen. Danach warfen sich zwei die Leintücher über den Kopf und schlichen ins vom Mondschein schwach erleuchtete Haus. Vorsichtig gingen die beiden die Holztreppe zum Schlafraum des Gschirrhauers hinauf. Leise knarrend öffnete sich die Tür der Kammer. Auf Zehenspitzen schlichen die Männer zum Bett des Gschirrhauers. Der schlief tief und schnarchte vor sich hin. Die beiden hauchten den Gschirrhauer an. Dieser wachte kurz auf, sah das Gespenst und begann zu lachen. Er murmelte: "Leintuchgespenster!" legte sich wieder nieder und schien ruhig einzuschlafen. Die Männer standen erst still, sie hatten diese Reaktion nicht erwartet. Nach einigen Minuten des Erstaunens schlichen sie wieder aus dem Haus, wo sie der Hausherr erwartete. Herr Götz war sehr böse, aber als er über ihren verpatzen Versuch, den Gschirrhauer zu erschrecken, hörte, lachte er und nahm es den Männern nicht krumm, dass sie mitten in der Nacht gekommen waren. Es hatte nur ein einziges, aber erträgliches Nachspiel, die Männer durften nicht nach Hause gehen, für sie begann die Arbeit an diesem Tag schon um 2 Uhr Nacht.

Der Gschirrhauer aber lag erbost in seinem Bett. Er drehte sich hin und her und überlegte, wer ihm diesen Streich gespielt haben könnte. Plötzlich klopfte es an der Tür. Der Mann lachte in sich hinein, setzte sich im Bett auf und sagte herein. Doch er erschrak, als er sah, wer eintrat. Das war kein „Leintuchgespenst" sondern ein richtiger Geist. Das Gespenst bestand aus weißem Nebel mit Augen und Mund. Das mysteriöse Dasein begann zu reden. Mit tiefer und knarrender Stimme sagte es: Wer bist du, dass du mit den anderen herumkommandierst? Schau auf dich selber! Ich sage dir, dass du noch binnen einer Woche diese Welt verlassen wirst." Mit diesen Worten war der seltsame Geist verschwunden. Der Gschirrhauer jedoch wurde blass vor Angst. Der Schweiß stand ihm im Gesicht. Langsam legte er sich zurück. Er zwickte sich, doch er hatte nicht geträumt, er war wach. Der Geist war dann also auch echt und er fragte sich, ob das Ganze nicht alles ein übler Streich war. Nach langem Nachdenken wurde ihm klar, dass dieser Geist von Gott kommen musste. Dieser Geist hatte ihm gesagt, dass er sterben würde, doch warum? Er tat doch seine Arbeit gewissenhaft und er war doch auch ein braver Mann. In seinen Überlegungen bedachte er jedoch nicht, dass er die anderen Knechte immer wieder schikanierte und er nur an sich selber und seinen Stolz dachte. Für ihn war sein Verhalten völlig normal.

Nach einer unruhigen Nacht wachte der Gschirrhauer sehr früh auf. Er war sehr schlecht aufgelegt und schrie alle an. Aber er wollte den anderen Knechten doch auch von seiner seltsamen Nacht erzählen. Das tat er dann auch beim Mittagessen. Die anderen Knechte lauschten zuerst sehr gespannt, doch dann, am Ende der Erzählung, lachten sie den Gschirrhauer ordentlich aus. Er wurde so gehänselt, dass er schließlich selbst glaubte, dass alles nur ein böser Traum gewesen war. Es stellte sich aber schon bald heraus, dass es anders war.

Zwei Tage nach der Erzählung des Gschirrhauers suchte der Gutsherr seinen Angestellten und fand ihn nicht. Zuerst suchte er alles ab, doch umsonst. Er rief alle Angestellten zusammen und sie machten einen genauen Plan, damit sie alle Winkel des Gutes wirklich absuchten. Schließlich machte man sich auf den Weg in den Eichenwald. Hinter einem großen „Gmaribam", also Grenzbaum fand man dann den Gschirrhauer. Sein Anblick war grauenhaft. Das Gesicht war entstellt, der Körper voller Kratzspuren und voll Blut. Ein Jäger, der beim Suchtrupp mitgegangen war, erklärte dem Gutsherren, dass ein Bär den Gschirrhauer angefallen und so übel zugerichtet hatte. Er stellte den Tod des Gschirrhauers fest. Man trug ihn in die Götzmühle und dort wurde er über Nacht aufgebahrt. Nach alter Sitte hielten zwei Müllerknechte Totenwache.

Um Mitternacht schrie plötzlich eine Eule gespenstisch auf. Dann stand ein durchsichtiger Gschirrhauer vor den beiden Knechten. Vor Wut zerschlug dieser Geist die ganze Einrichtung und lachte boshaft. Dann begann er plötzlich zu weinen und sortierte alles mühsam und peinlichst genau. Er schaffte es gerade bis 1 Uhr, dass alles wieder ganz und an seinem Platz war. Mit Augen, die wie Kohlen glühten und einem Totenkopf unter seinem Arm verschwand er wieder. Die beiden Müllerknechte aber fragten einander, was das bedeuten solle. Um nicht ausgelacht zu werden, versprachen sie einander, die Geschichte keinem Menschen zu erzählen. Der Gschirrhauer wurde am nächsten Tag zu Grabe getragen.

In der darauffolgenden Nacht konnte der Gutsherr nicht schlafen. Er ging in die Stube, wo der Gschirrhauer aufgebahrt worden war. Da schlug die Turmuhr Zwölf. Der Geist des ehemaligen Angestellten stand plötzlich vor ihm. Der Gutsherr sah wie er alles zerschlug, dabei boshaft lachte und dann weinend und sorgfältig alles wieder mühsam sortierte und in Ordnung brachte. Um 1 Uhr verschwand der Geist mit Augen wie glühende Kohlen und einem Totenkopf unter dem Arm.

Am nächsten Morgen ließ der Gutsherr die beiden Knechte rufen. Er erzählte ihnen vom nächtlichen Spuk und nun trauten sich auch die beiden ihr Erlebnis zu erzählen. Alle drei aber beschlossen, niemand davon zu erzählen. Jedoch, wenn sie etwas getrunken hatten, dann erzählten sie die Geschichte doch.

Noch heute soll der Geist des Gschirrhauers in der Götzmühle herumirren. Weil aber keiner darüber reden will, kommt es vor, dass nur dann von ihm erzählt wird, wenn man gemütlich beisammensitzt und schon ein bisschen mehr Wein getrunken hat.

Quelle: Auszug aus dem Dokument „Die Götzmühle und ihr Gschirrhauer“, Christa Szigeti, 1996/1997

Adresse

Deutsch Jahrndorferstraße 49
2424 Zurndorf

eMail

Telefon

0664/612 90 64