Die Hochzeit in Weiß wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts modern. Bis dahin war das Brautkleid dunkel, meist schwarz, mit weißem Kragen.
Bei den Herren war immer schon der dunkle Anzug das Kleidungsstück der Wahl. In den letzten Jahren hat sich aber auch diese Tradition verändert und die Kleidungsstücke wurden sowohl bei der Braut als auch beim Bräutigam bunter.
Die weiße Farbe des Brautkleids symbolisiert wohl Reinheit und Jungfräulichkeit. Doch bis in das 20. Jahrhundert waren die weißen Brautkleider dem Adel vorbehalten.
Im Alten Rom trug die Braut zur Hochzeit eine spezielle Hochzeitstunika mit einem hölzernen Gürtel, der mit dem sogenannten Herkulesknoten, den der Bräutigam später lösen musste, verschlossen wurde. Über die Tunika trug die Braut meist eine gelbe Stola, gelbe Sandalen und einen Schleier in Gelb.[1]
Im Mittelalter wurde Brautmode dann zunehmend zum Statussymbol finanzieller und gesellschaftlicher Stellung. So heirateten Frauen aus ärmeren Schichten und dem handwerklichen Mittelstand meistens im schwarzen Sonntagskleid, während die Frauen aus wohlhabenden und adeligen Familien in farbenfrohen Kleidern aus luxuriösen Stoffen, meist in den Farben blau, rot und grün, besetzt mit Edel- und Halbedelsteinen vor den Altar traten.[2]
Das schwarze Brautkleid hat sich im 16. Jahrhundert von Spanien aus verbreitet. Die steife und schwarze höfische Tracht von Kaiser Karl V., welche die Frömmigkeit der jungfräulichen Braut symbolisierte, wurde als „Spanische Mode“ nun vom europäischen Adel getragen.[3]
Im Jahr 1600 heiratete Maria de Medici den französischen König Heinrich IV. und trug dabei ein eierschalenfarbenes Brautkleid mit goldenen Stickereien. Darauf folgten weitere Adelshochzeiten mit einer Braut in Weiß und der Trend zum weißen oder cremefarbenen Brautkleid war geboren.[4]
Spätestens nach der Hochzeit von Königin Victoria von England im Jahr 1840, bei der sie ein Kleid aus weißer Spitze trug, war das weiße Brautkleid endgültig in adeligen und gutbürgerlichen Kreisen angekommen. Im Jahr 1854 heiratete auch Sissi in einem opulenten weißen Kleid den österreichischen Kaiser Franz Joseph.[5]
In ländlichen Gegenden und somit auch in Zurndorf, war zu diesem Zeitpunkt aber noch eine spezielle Hochzeits- oder Festtagstracht in festlichem Schwarz oder ein schönes schwarzes Kleid, das praktischer und leichter zu reinigen war, noch weit verbreiteter als das weiße Kleid.
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich das weiße Brautkleid auch in Zurndorf durchgesetzt. War das Brautkleid damals noch bodenlang, so gibt es heute fast keine Regeln mehr. Frauen lassen sich bei der Wahl des Brautkleides gerne von prominenten Traumhochzeiten inspirieren oder lassen der eigenen Kreativität freien Lauf.
Der Brautschleier
Auch heute noch ist der Brautschleier ein modisches Accessoire für die Braut und wird in allen möglichen Formen, Längen, mit oder ohne Spitzen und neuerdings auch in verschiedenen Farben angeboten. Doch früher war es nicht allen Frauen erlaubt, einen Schleier zu tragen.
Diese Ehre war nur Frauen vorbehalten, die ohne Kind und nicht schwanger in die Ehe gingen. Zudem glaubte man früher, dass der Schleier die Braut vor bösen Blicken und bösen Geistern schütze.